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der plan war gut, doch die welt nicht bereit: ich wollt ein menü kochen, freund j., der sich sehr gut auskennt, wollt für jeden gang ein besonderes bier (oder anderes gebrautes getränk, er hielt sich bedeckt) bereitstellen. dann kam etwas dazwischen, und die gäste mussten aufs bier verzichten. sie haben sich zu meinem glück aber gar nicht beschwert.

da diesmal chickofprey fotografiert hat, gibts endlich wieder einmal einen eintrag:

salat

zuerst gabs salat, mit diversen aromatischen kräutern (rucola, minze, mangold, pimpernelle, koriander) mit marinade aus distelöl und minz-apfelessig. darauf mit lorbeer, estragon und chili gekochte lauwarme borlottibohnen, ein über nacht in minzessig eingelegtes radieschen, und ein im sackerl pochiertes ei.

der minzessig ist eine feine sache, analog herzustellen zum holleressig, siehe hier (nur eben aus minzblättern). und wie das mit dem ei geht, steht hier. die folie war diesmal mit sonnenblumenkern- und einem tropfen geröstetem sesamöl bepinselt, was ziemlich gut kommt.

dazu brachte gästin l. wundervolles selbstgebackenes fladenbrot mit sesam. merci!

vorspeis

danach gabs als vorspeis gebratene saiblingshaut auf pastinaken-erdäpfelpüree. das klingt vielleicht seltsam, hab ich mir selber ausgedacht, aber es war wirklich nachahmenswert. dafür hab ich an der fischbudel die verkäuferin mit dem scharfen messer gebeten, mir das biosaiblingsfilet von der haut zu lösen, und dabei noch fleischfuzerl an der haut zu lassen. hat sie kopfschüttelnd getan. (das filet hab ich nachher später in gyoza gefüllt, da kommt nix weg, keine sorge). die haut hab ich in ziemlich viel sonnenblumenkernöl rausgebraten (nur auf der außenseite), in streiferl geschnitten, und auf einen kleinen gupf sehr oberslastiges pastinaken-erdäpfelpüree gesetzt. püree war mit bisserl indonesischem langpfeffer (milde fruchtige schärfe, ist aber auch weglassbar) und muskatnuss gewürzt. und alle waren beleidigt, dass es nicht mehr gab von diesem gang.

suppe

danach gabs einen kompletten tafelspitz, allerdings nicht klassisch gewürzt. die zubereitung ist ohnehin überall nachzulesen, ich notier nur die esszimmervariation: im suppen-ei waren ingwer, chili, zwei getrocknete morcheln, pfeffer, ein lorbeerblatt, zwei sternanis und eine halbe knoblauchzehe. damit bekommen suppe und fleisch eine leicht vietnamesische note. und zusätzlich zum klassischen wurzelgemüse hab ich noch eine große fenchelknolle reingeschnitten.

die suppe hab ich serviert mit relativ frei erfundenen hirntascherln als einlage: nach gyoza-art (rezept für die dumpling skins hier, runterscrollen!, link via frau esskultur). gefüllt hab ich mit kalbshirn und einem stückerl gekochtem sellerie.
dafür hab ich das hirn (ein viertel hat gereicht für 16 tascherl) kurz pochiert, größere adern weggezupft, kleine stücke geschnitten und das hirn mit salz und muskat und dem stück sellerie in die dumpling skins gepackt. in salzwasser vorgekocht, und dann in der suppe serviert, mit frischem koriander. überraschenderweise hätt auch das ruhig mehr sein dürfen, die experimentierfreude hat sich ausgezahlt. hirn wird trotzdem nicht meine neue lieblingsinnerei, die bleibt bries. (hm. oder herz? hmmmm.)

tafelspitz

danach gabs den tafelspitz (eh klar von hier) mit dem suppengemüse, gerösteten pastis-erdäpfeln, wirsing, und einer zitronigen koriander-joghurt-wasabi-sauce. die erdäpfel waren in unfassbar viel ghee (butterfett) gebraten, gefühlt wochenlang (danke fürs umsorgen, chickofprey!). wie das mit dem pastis-aromatisieren funktioniert, hab ich hier notiert.
den wirsing hab ich in streifen geschnitten, in kokosöl (neue lieblingszutat!) mit gemörsertem kümmel und kreuzkümmel angebraten, mit einem schöpfer suppe abgelöscht, gesalzen, ein löfferl orangensirup (übriggeblieben aus der orangeatproduktion) dazu, weichgedünstet, und mich dann reingelegt und drin geschlafen und niemandem sonst was davon gegeben, weils einfach zu gut war zum teilen. das mit dem reinlegen und schlafen ist gelogen, der rest stimmt.

buchteln

danach gabs die hinreißenden flaumigen unfassbar buttrigen buchteln nach Österreich Vegetarisch, ohne kanarimilch, dafür aber mit einer improvisierten marmelademischung (marille, powidl, orange, dazu bissi zimt und cognac) zum niederknien. war gar nicht leicht, mir noch eine frühstücksbuchtel für den nächsten tag zurückzubehalten.

schwein

und damit wir nicht verhungern und weil das kind es so wünschte, gab es dann noch ein extraknuspriges nussschwein von chickofprey, ein insiderschmäh, den glaub ich die frau esskultur losgetreten hat. hervorragend war das, und für mich dann noch ein bisserl frühstück am übernächsten tag. dankeschön!

(und ja, dann waren glaub ich alle satt.)

einziger fehler: dass j. nicht dabei war. ich glaub dem hätt es auch geschmeckt.

sie schmecken himmlisch, sie sind hübsch, und sie sind ganz nebenbei auch eine sehr elegante art und weise, restln zu verkochen. wegschmeißen ist nich! zum beispiel gemüse, das alleine nicht mehr für eine ganze mahlzeit reichen würde, hühnerfleisch aus einer suppe, faschiertes… für eine feine gyozafüllung sind jungzwiebel oder porree und ein paar schwammerl in jedem fall eine gute basis. alles weitere nach vorräten und lust.

was lange garen muss, vorher eventuell anbraten, den rest einfach kleinschneiden und mischen, und mit soysauce, einem spritzer sesamöl, etwas orangenöl oder sonstwie abschmecken.

gyozablätter kann man auch selber machen. da ich aber nicht j. bin, der fingerfertige mann meiner japanischen cousine, greife ich zum fertigprodukt aus der tiefkühltruhe des nächstgelegenen asiashops. gibts in verschiedenen packungsgrößen, eckig und rund – und es zahlt sich aus, ein packerl daheim vorrätig zu haben. die tascherln sind übrigens, wie man mir sagte, ursprünglich chinesisch, mittlerweile aber vor allem in japan sehr in mode, mit den unterschiedlichsten füllungen.

die blätter leicht antauen lassen, damit sie sich voneinander trennen lassen, dann je ein teelöfferl füllung (nicht zu viel) auf jeden teigkreis setzen.

die ränder mit nassen fingern anfeuchten und zusammendrücken. dabei gibt’s verschiedene formale schulen, wie man sich denken kann – vermutlich in direktem zusammenhang mit der schönen tradition des origami. meine ganz persönliche lieblingsrichtung ist die „haupsache-es-hält“-form. die befolge ich aber streng.

außerdem mag ich es, wenn die gyozas wie kleine raupen übers arbeitsbrett kriechen. nnnga nnnga (familieninterner schmäh)

in einer weiten flachen beschichteten pfanne (für die es auch einen deckel gibt) ein paar esslöffel neutrales pflanzenöl mit ein paar tropfen geröstetem sesamöl heiß werden lassen. die gyozaraupen hineinsetzen und anbraten. sobald sie braune füße haben, beherzt eine tasse wasser in die pfanne schütten und schnell den deckel zumachen. jetzt werden die viecherln fertiggedämpft, was ca 10 minuten dauert. nicht übersehen! wenn am boden der pfanne kein wasser mehr ist und der teig überall gar ist, ist essenszeit!

inzwischen mische ich eine sauce zusammen. da kommen bei mir rein: sojasauce, ein paar spritzer fischsauce, orangenöl, orangenzesten, limettensaft, irgendeine chilisauce. und frisches basilikum oder frischer koriander, oder was sonst halt da ist.

wenn keine flüssigkeit mehr da ist, sollten die gyoza unten wieder ein bisserl knusprig geworden sein. und dann gibts essen.

geht bestimmt auch ohne sesamöl und soysauce, mit somewhat westlicheren zutaten, saibling und einem löfferl rahm und spinat, oder so. hab ich aber noch nicht getestet. veggieversionen sind natürlich auch gut. ach. morgen mach ich sie mir wieder. aber diesmal mit biorindsfaschiertem und bio-prinzesserbsen.

nachtrag: ingwer und knoblauch sind natürlich auch basics für die füllung. aber jeder wie er mag.

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