ich entschuldige mich vorab: ich bin hemmungslos. weil das, wozu ich letztes wochenende eingeladen war, einfach zu schön, ja wirklich idyllisch war, um mit weniger fotos dokumentiert zu werden. wohlan: meine erste lechpartie, am ufer des altausseersees!

einfach touristisch buchen kann man die teilnahme an so einer veranstaltung nicht, dazu sind die termine (etwa 20 im jahr, während der laichzeit der saiblinge zwischen september und anfang november) zu selten. man muss entweder familien- oder wohl auch oftmals institutionsintern einen termin „besitzen“ (und den gibt dann keiner wieder her, der nicht auf den kopf gefallen ist) oder eingeladen werden – so wie ich, zum glück!

der begriff „lechen“, so wurde mir erklärt, kommt entweder vom „laichen“ der fische, eine lechpartie ist damit sowas ähnliches wie ein erntedankfest für fischer. oder es kommt vom „selchen“ – denn die saiblinge, die hier gefeiert werden, werden vor dem braten am offenen feuer fast einen tag lang geselcht.

zuständig für die saiblinge ist der fischmoasta sepp, der dafür sorgt, dass die ausgenommenen fische mindestens 20 stunden in einer sur im verhältnis von 6 liter wasser auf ein halbes kilo salz bleiben. danach werden die saiblinge längs auf schmale holzscheitln gesteckt und rund um das feuer in der lechhütte aufgereiht, wo sie dann etwa 2 stunden lang garen. er ist der einzige, der mit der zille, dem langgestreckten boot, mit dem fisch und den getränken bis zur hütte am hinteren seeufer gefahren ist. wir anderen sind die vier kilometer zu fuß gegangen.

was den altausseersee auszeichnet, ist nämlich unter anderem, dass er rundum von hohen bergen umgeben ist. nur ein schmaler fußweg (und eine für die öffentlichkeit gesperrte forststraße etwas höher am hang) führen bis zur seewiesn ans hintere ende des sees. durch diese lage ist es oft windstill, die wasseroberfläche spiegelglatt und das gesamte bergpanorama doppelt zu sehen. das alles macht eine seeumrundung zu einem reizvollen spaziergang, bedingt aber auch, dass im sommer ein platzregen einen badenachmittag zu einer etwas mühseligen sache werden lässt, weil der weg bis zum geparkten auto unweigerlich ein paar kilometer weit ist. die ausseerland-idylle muss man sich manchmal hart erkämpfen!

wichtig beim vorbereiten der saiblinge fürs aufspießen ist, dass beim ausnehmen am fischbauch an zwei stellen ein steg von haut bleibt, sonst fällt der fisch in die asche. in der hütte ist es natürlich gewaltig rauchig, aber schön warm, und das ist ende oktober gegen abend schon ein guter grund, den selchgeruch im gewand gern zu akzeptieren. die art des holzes ist übrigens nicht relevant, weil der fisch seinen geschmack im wesentlichen durch das selchen vorher schon hat, und am feuer nicht mehr geräuchert wird.

außerdem ist der blick aus den fenstern der lechhütte bestechend schön. und ja, ich hab zirka dreißig solche fotos, aus allen fenstern und allen perspektiven und in allen stadien des sonnenuntergangs.

während der fisch fertiggart, wird draußen die zuspeis hergerichtet: die selbstgebackenen flesserl hat ein gast mitgebracht, der oberskren wird vor ort zusammengerührt (aus handgeschlagem obers und frisch gerissenem kren und ja, wenns versalzen war bin ich schuld. war aber nicht, find ich!)

voilà, hier der star des nachmittags: der saibling! wunderbarerweise gab es einen ganzen fisch pro nase, so macht man mich glücklich.

die haut lässt sich ganz leicht ablösen, das fleisch fällt beinah von selbst von den gräten und ist feinwürzig, mild salzig und sensationell gut. nur einmal, als ich warm geräucherten lachs frisch aus schweden bekommen hab, hab ich ein ähnlich nachdrückliches fischerlebnis gehabt. aber was die allround-erfahrung betrifft, gewinnt der saibling um längen!

später am abend kam noch eine musi, bass, gitarre und zieharmonika. die drei haben teils fürchterlich dreckige (was ich aber kaum verstanden hab, danke an den altausseer bzw. grundlseer dialekt an dieser stelle), in jedem fall aber kitschfrei stimmungsvolle lieder gesungen und gespielt. inzwischen hat der fischmoasta drinnen am feuer einen topf mit quellwasser heiß werden lassen und in einem zweiten topf fürchterlich viel rum, einen schwarzteebeutel und zwei kellen zucker gewärmt. mit ein bisserl wasser aufgegossen heißt das dann lupitscher, und lässt jeden noch so brutalen jagatee (nicht dass ich mich damit auskennen würd) wie ein kindergartengetränk aussehen. oh ja.

und während wir uns drinnen am feuer und am alkohol gewärmt haben, haben draußen die gefiederten nachbarn ihr revier wieder in beschlag genommen: ente gut, alles gut.

danke an die familie sch. für die hinreißende, unvergessliche, liebenswürdige einladung!!!