Auch im derzeit wohl seltsamsten Bundesland des an seltsamen Bundesländern nicht armen Österreichs gibt es Flecken, in denen das Gute regiert und das Böse kein Leiberl hat. Einer dieser Flecken ist der Gasthof Kopper im idyllischen Guttaringer Ortsteil Urtl. Hier gibts nicht nur lauter gute Leute, sondern auch unglaubliche Mengen an gutem Essen.

Das meiste aus eigener oder lokaler Produktion, alles selbst gekocht mit viel Können und Liebe und frischen Kräutern von Frau Kopper, der Seele des Hauses, verzeihen Sie den abgegriffenen Ausdruck – aber hier stimmt er wie selten.

Die Hauptdarsteller. Mit ergebenstem Dank.

So fängts mal an: Suppe mit Lungenstrudel. Die Lunge (vom Schwein oder Rind) wird fein faschiert, mit Salz, Pfeffer & Majoran abgeschmeckt. Die Farce wird dann auf fein ausgewalztem Nudelteig (Mehl, Ei, Salz) aufgetragen, zu Strudelchen gerollt, in 2-cm-Scheibchen geschnitten und gekocht.

… dasselbe als gefüllte Teigtäschchen = Schlickkrapferl.

Auch hinreißend: Die ganz sanft eingemachte Gemüsesuppe mit lauter Köstlichkeiten aus dem Hausgarten, kurz zuvor ausgerupft.

Das Lamm (vom Nachbarn. Dazu gibt’s eigenen Mangold) ist nicht umsonst gestorben, wenn ich mir diese geschmacklose Bemerkung in einem derart geschmackvollen Kontext erlauben darf.

Die Lammstelze, kurz zuvor.

Dazu der Salat, natürlich auch frisch ausm Garten. Mit selbst angesetztem Mostessig, Ehrensache.

Und voilà der Paradiesgarten. Das Kind (übrigens tatsächlich die 5. Generation meiner Familie, die hier urlaubt) pflückt Erbsen, die schmecken ihr besser roh als gekocht.

Zwischen Blumen und Blumen und Blumen wächst Kraut und Rübe und Frucht und Gemüse.

… und Broccoli.

Ein weiterer kulinarischer Höhepunkt: Der Schweinsbraten. Hier das Rippenstück mit Lungenbraten drin, und selbst wer immer brav Biofleisch kauft kann hier noch einen Qualitätssprung schmecken. Die Ferienfamilie hat die Riesenportion (samt der superflaumigen Knödl, die verdienen eine Extraerwähnung) zum Mittagessen trotz Hitzewelle in Rekordzeit aufgegessen, auf Putz und Stingl sozusagen, wenn das nix heißt.

… samt Frühkrautsalat, Garten eh scho wissen.

Kälbchen, selten so zart gegessen, als Rollbraten mit Karfiol.

Die Eier, noch Hendlwarm

… und gekocht im Verbund mit einem kalten Abendessen des Wahnsinns. Neben Speck und Geselchtem gibt’s auch geselchte Schweinszunge, Kärntner Salami, G’lundner Käse und selbst gerührte Butter.

… und, nebst Gemüse, Topfenkäse mit Kräutern. Die Salzgurken kommen auch nicht ausm Gschäft, sondern aus der Speis.

Kein Wunder, dass die heftigen Nachspeisen gern verweigert werden, obwohl sie durchaus im Programm stünden. Deshalb gibts so Sachen wie selbstgerührtes Eis von eigenen Marillen …

… oder Himbeeren aus dem Wald …

… oder halbwilde Stachelbeeren. Wer den Strauch erkennt, hat die süßen Früchte echt verdient.

noch ein kleines Making of zum Abschluss: Lungenstrudel & Schlickkrapferl, ungekocht

& eine Leberwurst, noch in der Haut. Und ganz viel hab ich gar nicht erwähnt, merk ich gerade: Den Saibling, den Honig, die Erdbeer-, Ribisel- und Marillenmarmelade, das Brot, die Leberknödel, die Bratwürste, den Apfelsaft, den Schnaps … Seufz. Schad, dass jetzt wieder ein ganzes Jahr vergeht, bis wir wieder farhn.

Es gibt 1 großes und 2 kleine Gästezimmer im prächtigen Haus aus dem 16. – 18. Jahrhundert (früher war da mal die Verwaltung eines Hochofens untergebracht, dessen Ruinen gegenüber kräftig zur Gesamtidylle beitragen), die ganzjährig gebucht werden können – außer für die ersten beiden Juliwochen, weil dann sind wir dort!