Er ist der Herr über essbare Sphären und Schäume und der erste Koch, der durch die Einladung zur Documenta 12 als Künstler anerkannt wurde: Ferran Adrià, katalanischer Gastronomiestar und Küchenchef des Restaurants elBulli an der spanischen Costa Brava. Die Documenta-Teilnahme war nun der Anlass für Pop Art-Künstler Richard Hamilton und Vicenze Todolí, Direktor des Londoner Tate Modern, gemeinsam ein Buch herauszugeben: „Food for Thought. Thought for Food“ ist der erste Band, der alle Gerichte des elBulli von 1987 bis 2007 umfassend katalogisiert und die Arbeit des Kochs mit Debatten, Essays und Kommentaren von namhaften Künstlern, Köchen, Galeristen und Kuratoren vollinhaltlich in einen Kunst-Kontext stellt.

„Adriá hat die Welt der Gastronomie in den letzten 20 Jahren revolutioniert“, heißt es immer wieder über den Küchenchef, doch die Welt der Gastronomie hat die Erfindungen und Kreationen aus dem elBulli mit oft hochgezogener Augenbraue zur Kenntnis genommen. Adriás Verdienst ist ein anderer: das Schaffen von eigenständigen, mit allen Sinnen (sehen, hören, tasten, riechen, schmecken) erfahrbaren Kunstwerken. Wenn nun Hamilton über „bedeutende Gerichte“ des spanischen Küchenchefs schreibt, ist das kein Aufsatz über Nahrungsaufnahme, sondern über Kunstrezeption. Demnach ist ein 40-gängiges elBulli Menü viel mehr als Essen, näher dem Tanz oder der Skulptur.

Die präzisen, leuchtenden Fotos von Francesc Guillamet, der die elBulli-Gerichte von Beginn an dokumentiert hat, begleiten den stellenweise sehr subjektiven Diskurs über Adriás Küche und machen den Band zu einem sinnlichen Erlebnis: Näher kann man dem elBulli wohl kaum kommen, nimmt man nicht selbst den Weg an die Costa Brava auf sich.

FOOD FOR THOUGHT. THOUGHT FOR FOOD, Gedanken über das kreative Universum von Ferran Adrià, die Avantgarde-Küche und ihre Beziehung zur Welt der Kunst. 38 Euro. Herausgegeben von ACTAR, Barcelona. Erschienen am 21. September 2009.